113. Internationaler Weltfrauentag: Halbe-Halbe muss endlich Realität werden!

Steigender Frauenanteil im Bundesdienst – Generationswechsel als Chance für Frauen

Aktuell liegt der Frauenanteil im Bundesdienst bei 43,5 Prozent. Bei den Vertragsbediensteten sind es fast 59 Prozent, bei den Beamt:innen rund 26 Prozent. Der Frauenanteil im Bundesdienst wächst somit weiter an.

Ein besserer Indikator für den Grad an Gleichberechtigung im Erwerbsleben als der Frauenanteil insgesamt ist aber die Anzahl von Frauen in Führungspositionen. Gehen doch Führungspositionen nicht nur mit Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten einher, sondern auch mit einem höheren Einkommen. Letzteres wirkt sich wiederum auf den geschlechtsspezifischen Einkommensunterschied aus.

Auch hier sind die Zahlen für den öffentlichen Dienst grundsätzlich positiv: Seit 2006 sind die Anteile von Frauen in Führungspositionen auf fast allen Ebenen angestiegen. Im Dezember 2022 betrug der Frauenanteil bei Spitzenfunktionen (Sektionsleiter:innen) der Bundesverwaltung beispielsweise 34,7 Prozent. Im Jahr 1995 lag der Anteil noch bei 2,5 Prozent, 2006 bei 15,8 Prozent.

Der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied, der sogenannte Gender-Pay-Gap ist erneut gesunken und beträgt im Öffentlichen Dienst 8,1 Prozent. Ein wesentlicher Faktor dafür, ist die Transparenz der Gehälter durch veröffentlicht bewertete Arbeitsplätze.

FSG-GÖD Frauenvorsitzende Susanne Schubert zeigt sich über die Entwicklungen erfreut: „Die steigenden Zahlen der weiblichen Bediensteten – gerade auch in Führungspositionen – zeigen uns, dass die gesetzten Maßnahmen Früchte tragen. Das alles verdanken wir nicht zuletzt der entschlossenen Arbeit und der Hartnäckigkeit sozialdemokratischer Politikerinnen, die in der Vergangenheit Initiativen ergriffen und sich durchgesetzt haben und damit all die Verbesserungen für Frauen erreicht haben.“

„Aufgrund der derzeitigen Pensionierungswelle der sogenannten babyboomer-Generation und der Zuverlässigkeit und Stabilität als Dienstgeber, bietet der öffentliche Dienst grundsätzlich gute Möglichkeiten und Chancen für erwerbstätige Frauen“, hebt Schubert hervor, sieht aber dennoch Verbesserungsbedarf, denn: „die Einkommensschere im öffentlichen Dienst ist – trotz der Transparenz der Gehälter – noch nicht geschlossen. Frauen sind in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert und arbeiten mit 31,1 Prozent deutlich häufiger teilbeschäftigt als Männer.“

Wachsam bleiben ist das Gebot des Tages

Außerdem müsse man weiterhin wachsam bleiben, denn der Druck auf Frauen steige immer weiter: „Leider stagnieren frauenpolitische Maßnahmen seit einigen Jahren und – noch viel schlimmer – es kommt sogar zu Verschlechterungen. Die Verkürzung der Karenzzeit ist das jüngste Beispiel. Hier hat man statt eines Ausgleichs zwischen Männern und Frauen bei der Kinderbetreuung die Situationen für Frauen weiter verschärft. Außerdem warten Frauen vielerorts noch immer vergeblich auf ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Gerade im ländlichen Raum ist die Situation besonders schwer.“ Hier fordert FSG-GÖD Frauenvorsitzende Schubert gemeinsam mit den ÖGB-Gewerkschaftsfrauen einen Rechtsanspruch auf einen ganztägigen, leistbaren Kinderbildungsplatz ab dem ersten Geburtstag.

Die aktuellen Ankündigungen der Bundesregierung zur Senkung von Lohnnebenkosten, sind aus frauenpolitischer Sicht besonders kritisch. Die Sozialbeiträge von Arbeitgeber:innen finanzieren unter anderen den Familienlastenausgleichsfonds und damit beispielweise die Familienbeihilfe, das Kinderbetreuungsgeld, Schulbücher und Schülerfreifahrten. „Wir werden genau beobachten, welche Schritte künftig gesetzt werden. Kürzungen bei den Sozialleistungen für Familien werden wir nicht einfach hinnehmen“, so Schubert.

Who cares? Frauen!

Frauen leisten den Großteil der sogenannten Care-Arbeit. Zu diesen unbezahlten Tätigkeiten zählen etwa Kinderbetreuung, Hausarbeit und die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger – täglich sind das 4 Stunden und 15 Minuten an Sorgearbeit, die neben dem bezahlten Job noch anfallen.

Um dieses Ungleichgewicht zu beseitigen und Frauen eine echte Wahlfreiheit zu ermöglichen, müssen soziale Angebote rund um Pflege von Angehörigen und Kinderbetreuung ausgebaut werden. „Wir reden hier nicht von der halben Schokoladentafel oder darüber, wer den Müll hinausbringt. Wir reden immer von Chancen aber auch Verantwortung und sagen klar und deutlich: Halbe-Halbe muss endlich Realität werden!“

Alle Informationen zum Personal des Bundes kannst du hier nachlesen.