Große DirektorInnen-Befragung: Österreichs SchulleiterInnen Game over?

95 Prozent aller SchulleiterInnen an Pflichtschulen beklagen, dass bürokratische Hürden die pädagogische Schulleitung verdrängen. Das geht aus einer DirektorInnen-Befragung von FSG und SLÖ an rund 3700 österreichischen Pflichtschulen hervor.

„Die Bürokratie bringt unsere Schulen um. SchulleiterInnen werden als BuchhalterInnen und Schreibkräfte der Schulverwaltung missbraucht“, kommentiert Thomas Bulant, FSG-Vorsitzender der Gewerkschaft der PflichtschullehrerInnen, die Ergebnisse der Umfrage.

Die Ergebnisse im Detail:

  • 95 Prozent beklagen, dass die pädagogische Schulleitung zunehmend in den Hintergrund gerät.
  • 90 Prozent finden, dass ihre pädagogische Expertise zu Gunsten von Bürotätigkeiten, Dokumentationen und zentral verordneten Abfragen und Testungen verdrängt wird.
  • 96 Prozent geben an, dass neue Aufgabenstellungen für die Schulleitung ohne ausreichende Unterstützung und Planungsgrundlagen sowie ohne Rücksicht auf die Herausforderungen des täglichen Schulbetriebs und die zeitlichen Ressourcen am Standort erfolgen.
  • 95 Prozent wünschen sich mehr Unterstützung seitens des Bildungsministeriums und der Gewerkschaft.

Über 26 Prozent aller österreichischen PflichtschuldirektorInnen – das sind über 1000 Personen – haben an der Befragung von FSG und SLÖ (Sozialdemokratische LehrerInnen Österreichs) teilgenommen. „Das unterstreicht, wie groß die Sorge ist, dass unsere Schulen vor dem pädagogischen Kollaps stehen. LehrerInnen bräuchten bei Lernproblemen und Verhaltensauffälligkeiten von SchülerInnen die pädagogische Unterstützung durch die Schulleitung. Aber dafür bleibt kaum Zeit“, sagt Bulant und führt weiter aus: „Die aktuellen Gewaltvorfälle an einigen Schulen belegen, dass SchulleiterInnen nicht unter Aktenordnern verschüttet werden dürfen, sondern an die Seite von SchülerInnen und LehrerInnen gehören. Die Devise lautet: Pädagogik statt Bürokratie!“