8. März – Internationaler Frauentag: Alles erreicht?

Die FSG-GÖD Frauen setzen sich seit 54 Jahren für erwerbstätige Frauen im öffentlichen Dienst ein. Seit Mitte der 80er Jahre steigt die Erwerbsbeteiligung von Frauen im öffentlichen Dienst kontinuierlich und der Gender Pay Gap ist mit aktuell 11 Prozent vergleichsweise gering. Ein Grund sich zurückzulehnen? Nein, wir haben noch lange nicht alles erreicht!

Clara Zetkin 1857 – 1933

Aktuell liegt der Frauenanteil im Bundesdienst bei 42 Prozent. Bei den Vertragsbediensteten sind es fast 59 Prozent, bei den BeamtInnen rund 27 Prozent. Ein besserer Indikator für den Grad an Gleichberechtigung im Erwerbsleben als der Frauenanteil insgesamt ist aber die Anzahl von Frauen in Führungspositionen. Gehen doch Führungspositionen nicht nur mit Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten einher, sondern auch mit einem höheren Einkommen. Letzteres wirkt sich wiederum auf den geschlechtsspezifischen Einkommensunterschied aus.

Auch hier sind die Zahlen für den öffentlichen Dienst grundsätzlich positiv: Seit 2006 sind die Anteile von Frauen in Führungspositionen auf allen Ebenen angestiegen. Im Dezember 2017 betrug der Frauenanteil bei Spitzenfunktionen (SektionsleiterInnen) der Bundesverwaltung beispielsweise 31,7 Prozent. Im Jahr 1995 lag der Anteil noch bei 2,5 Prozent.

Der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied ist im öffentlichen Dienst ebenfalls geringer als in der Privatwirtschaft. Während Frauen in Österreich durchschnittlich um rund 20 Prozent weniger verdienen als Männer, sind es im öffentlichen Dienst rund 11 Prozent weniger.

„Die vergleichsweise guten Zahlen im öffentlichen Dienst haben wir dem jahrzehntelangen Einsatz sozialdemokratischer Politikerinnen, Staatssekretärinnen und Ministerinnen zu verdanken, die Institutionen wie Gleichbehandlungsbeauftragte, Kontaktfrauen/Frauenbeauftragte und die Bundes-Gleichbehandlungskommission ins Leben gerufen haben“, erklärt FSG-GÖD Frauenvorsitzende Susanne Schubert. Auch gesetzliche Instrumentarien wie verpflichtende Frauenförderungspläne und die Berichtslegung über den Stand der Verwirklichung der Gleichbehandlung und Frauenförderung an den Nationalrat sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

„Das bedeutet aber nicht, dass wir uns zurücklehnen können, im Gegenteil. Noch ist die Einkommensschere auch im öffentlichen Dienst nicht geschlossen; noch sind Frauen auch im öffentlichen Dienst in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert; und noch sind Frauen auch im öffentlichen Dienst mit 32 Prozent deutlich häufiger teilzeitbeschäftigt als Männer mit 6,7 Prozent“, sagt Schubert.

Auf das Bekenntnis des Bundes zur Gleichstellung, das in den Jahren sozialdemokratischer Regierungsbeteiligung zum Grundkonsens gehörte, können wir uns nun aber leider nicht mehr verlassen. „Die österreichische Sozialministerin hat erst kürzlich allen Ernstes gesagt, es sei ‚in der Natur so festgelegt‘, dass Frauen noch immer den Großteil der unbezahlten Haus- und Pflegearbeit alleine stemmen. Das zeigt: Unser Einsatz für Frauenrechte und Gleichstellung ist keinesfalls überholt – nein, es braucht uns heute mehr denn je,“ so Schubert.

Wie sagte schon Clara Zetkin (1857 – 1933), sozialistische Politikerin und Initiatorin des Internationalen Frauentags? „Lassen wir uns nicht schrecken durch die Ungunst äußerer Umstände, haben wir für alle Schwierigkeiten nur eine Antwort: Erst recht!“